Wenn der Thron wackelt…

Wenn der Thron wackelt…

Das erste Kind hat bei seinen Eltern ganz natürlicherweise einen festen Platz auf dem Prinzen- oder Prinzessinenthron. Mama und Papa sind rund um die Uhr für das Kind da und es bekommt ihre ganze Aufmerksamkeit und Liebe. Meistens aber fängt es an schwierig zu werden, wenn ein Geschwisterchen sich auf den Weg macht. Da fängt der Thron schon in der Schwangerschaft an zu wackeln, denn Kinder haben feine Antennen und spüren, dass ihnen ihr Thron bald schon nicht mehr alleine gehören wird. Vor allem merken sie unbewusst, dass die Aufmerksamkeit ihrer Mutter sich beginnt zu teilen – sie richtet sich jetzt nicht mehr nur auf das erste Kind, sondern auch auf das ungeborene im Bauch. Manche Kinder – vor allem die älteren – machen diese Bewegung mit und fangen an, sich auch für das neue Geschwisterchen zu interessieren, den Bauch zu streicheln, mit ihm zu reden und malen sich aus, wie es sein wird, wenn es dann endlich mal da ist.

Allerdings ist es für die jüngeren Kinder (ca. bis zwei oder drei Jahre) meistens nicht so einfach, auf ihrem Thron etwas zur Seite zu rutschen. Sie werden anhänglicher, wollen vielleicht sogar wieder mehr (oder neu) stillen und haben nur wenig Interesse am Bauch der Mama. Und der Grund dafür ist ganz natürlich: Sie haben Angst, die Liebe ihrer Mama an das neue Geschwisterchen zu verlieren. Wenn die Aufmerksamkeit der Mama schon nicht mehr zu 100% da ist, dann geht vielleicht auch ihre Liebe weg? Dem muss es sich entgegensetzen, es muss um seinen Thron kämpfen und zeigen, dass es auch noch da ist. Es möchte mit seinem Verhalten sagen: „ICH bin dein Baby. Vergiss mich nicht!“

Manchmal sorgt die Natur dafür, dass das Kind sich dann trotzdem irgendwann im 4. oder 5. Schwangerschaftsmonat von selbst abstillt, weil in dieser Zeit bei vielen Frauen keine Milch mehr fließt oder die Milch einen anderen Geschmack bekommt, weil der Körper der Frau sich immer mehr auf das neue Kind einstellt. Das erste Kind sieht sich dann gezwungen, die Brust loszulassen. Möglicherweise wird es aber dann umso anhänglicher und weinerlicher, weil es ein wesentliches Stück „Mama“ verloren hat. Was ihm hier sehr hilft ist, wenn seine Mutter seine Not sieht und versteht, ihm viel Aufmerksamkeit und Wärme schenkt und ihm damit zeigt: „Ich bin immer noch deine Mama und habe dich lieb.“

Wenn das Geschwisterchen dann da ist, kommt es dann oft zur Eifersucht beim ersten Kind und das darf auch so sein, denn es muss ja erst lernen, dass es die Liebe seiner Mama mit dem Geschwisterchen nicht verliert. Häufig zeigt sich die Eifersucht „versteckt“: Das Kind wird plötzlich sehr schwierig und anstrengend. Es mag vielleicht plötzlich nicht mehr alleine spielen, braucht die Mama für Dinge, die es früher alleine gemacht hat, bekommt aus scheinbar nichtigen Gründen Wutanfälle, mag nicht mehr in den Kindergarten gehen, etc. Die Gründe hierfür sind die gleichen wie oben, aber für die Eltern ist es jetzt schwieriger, damit umzugehen, weil das Baby einfach viel mehr Aufmerksamkeit benötigt als das ältere Kind. Was hilft? Versuche, deinem älteren Kind zu erklären, dass das Baby noch so klein ist und so viel Hilfe braucht und deshalb so viel bei der Mama sein muss. Manche Kinder finden es auch toll, beim Windeln wechseln oder Baden mit zu helfen – da spüren sie, wie toll es ist, schon groß zu sein und der Mama helfen zu können. Sag ihm immer wieder, dass du es immer noch genauso lieb hast. Nimm dir exklusiv Zeit für dein älteres Kind, z.B. wenn das Baby schläft oder beim Papa ist. Lass es mit kuscheln beim Stillen oder lies ihm während dessen etwas vor. Und – ganz wichtig – lass den Haushalt auch mal Haushalt sein, gerade in den ersten Monaten, die so wichtig für dein Baby, dein großes Kind und überhaupt für die ganze Familie sind!

Es wird eine eine Weile dauern, bis sich das Familienleben zu viert oder zu fünft oder… eingespielt hat, aber mit Ruhe und Geduld bekommt ihr das hin! Und wer Gesprächsbedarf hat, darf sich auch gerne bei mir melden. Auf unserer Praxishomepage www.wege-zum-herzen.de findet ihr die Kontaktdaten.

Ich würde mich auch freuen, wenn ihr hier eure Kommentare zurück lasst! Was geht euch durch den Kopf bei diesem Thema? Wie erlebt ihr das?

Marion Maier

www.wege-zum-herzen.de


Ein Gedanke zu „Wenn der Thron wackelt…

  1. Ich glaube, was noch eine weitere Rolle im Verhalten des erstgeborenen Kindes spielt ist, dass es auch die Unsicherheit der Mutter wahrnimmt.
    „Kann ich zwei Kindern wirklich gerecht werden? Schaffe ich es, dass nicht eines zu kurz kommt?“
    Man kann sich als Mutter selbst nicht vorstellen, wie man „sein Herz teilen soll“. Es ist für alle eine neue Erfahrung und Situation, das ganze System kommt zunächst in Unordnung und alle müssen ihren Platz neu suchen.

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